Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl e.V.

Ingrid Rathgeber
Die Helferin

Seit 1999 holte Ingrid Rathgeber eine stets wechselnde Gruppe von 35 Kindern und deren Betreuer aus der Gegend von Tschernobyl für vier Wochen zur Erholung an die Fulda in ein früheres Ausflugslokal. Im Jahr 2000 gründete sie den Verein „Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl, dessen Vorsitzende sie seitdem ist. Sie organisierte Reise und Unterkunft für die Kinder, sprach Firmen an, die Geld und Lebensmittel spendeten.20 000 Euro kostete ein solcher Aufenthalt. Die Kinder waren nicht akut krank, aber hatten schon Schlimmes hinter sich und kamen teils aus unbeschreiblich traurigen Verhältnissen. Die Krebsrate in diesen verseuchten Gebieten ist erschreckend hoch. Die Menschen dort haben vielfach den Mut verloren, sind depressiv, kränklich, die Männer impotent.

 

Frau Rathgeber kennt ihre Kinder alle, die sie im Lauf der vergangenen 20 Jahre nach Deutschland geholt hat. Rund drei Wochen im Jahr reiste sie selbst durch Weißrussland und die Ukraine, um sich alles anzusehen, was der Verein unterstützt. Geld gibt sie nicht blindlings aus; sie will sich von jedem Projekt, vor allem aber von jedem Menschen, mit dem sie zusammenarbeitet, überzeugen. Sie organisierte aber auch Rollstühle und andere Hilfsmittel und kaufte Medikamente in Weißrussland. Frau Rathgeber half Familien-Waisenhäuser aufzubauen, um Kinder vor den staatlichen Waisenhäusern zu bewahren, organisierte die medizinische Betreuung, knüpfte Kontakte zu Blinden in Deutschland, um mit diesem Wissen Blinde in Weißrussland zu unterstützen. Durch den Reaktorunfall gibt es im verseuchten Gebiet um Tschernobyl offenbar immer mehr junge Menschen die erblinden.

 

Die Hilfe für die Menschen in Weißrussland und der Ukraine beschäftigt Frau Rathgeber jeden Tag. Sie sammelt etwa 60 000 Euro im Jahr an Spenden ein. Frau Rathgeber spricht nicht Russisch. Aber wenn sie mit den Kindern zusammen ist, wird klar, was es bedeutet, wenn sie sagt: „Ich verstehe Russisch, wie ich Musik verstehe." Dank erfuhr sie auch von der Plansecur-Stiftung. Die gemeinnützige Organisation, die sich christlichen Werten verpflichtet hat, verlieh ihr in 2003 den Förderpreis im Wert von 20 000 Euro.

 

Im Jahr 2006 erhielt sie für besondere Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande.

 

In Kassel wurde Frau Rathgeber am 18. April 1937 geboren. Sie besuchte das Wirtschaftsgymnasium, das sie mit dem Abitur abgeschlossen hat, absolvierte Auslandsaufenthalte und ging auch in England zur Schule. Frau Rathgeber ist seit 1996 verwitwet und hat zwei erwachsene Kinder sowie ein Enkelkind. Sie hat im Betrieb Ihres Mannes als Prokuristin gearbeitet. Vor allen Dingen hat sich Frau Rathgeber in den Dienst der Menschen gestellt.